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Burnout

Das Gefährliche am Burnout ist, dass es sich schleichend entwickelt und die Betroffenen vielleicht erst nach Jahren an den Punkt gelangen, wo nichts mehr geht. Der Wille zu arbeiten ist vielleicht noch da, Körper und Geist versagen jedoch den Dienst.
von Hans-Peter Kröpelin


Ich schlage die Zeitung auf und lese von seelischen Kollateralschäden in der heutigen Arbeitswelt. Ich führe ein Coachinggespräch und mein Coachee erzählt, dass eine oder manchmal auch mehrere Personen aus seinem Team wegen „Burnout“ krankgeschrieben sind oder gerade wieder in den Arbeitsprozess integriert werden. Zugegeben, heute wird vieles unter dem Begriff „Burnout“ subsummiert. Aber fundierte Zahlen zu Burnout–Fällen kann es nicht geben, weil Burnout (bisher) keine anerkannte medizinische Diagnose ist. Daher ist auch keine statistische Auswertung möglich. Aber brauchen wir die denn überhaupt oder reicht es nicht, genau hinzuschauen? Unbestritten ist doch, dass es immer mehr Menschen mit Burnout–Symptomen im betrieblichen Alltag gibt. Viel mehr Mitarbeiter werden heute mit psychischen Beschwerden krank geschrieben als noch vor 10 Jahren und die daraus resultierenden Kosten für die Wirtschaft und die Krankenkassen sind gigantisch. Grund genug, mich als Trainer und Personalentwickler mit dem Thema zu befassen.


Was ist Burnout?
Es ist ein Zustand ausgesprochener körperlicher und emotionaler Erschöpfung, innerer Distanzierung und letztendlich auch einer reduzierten Leistungsfähigkeit, der als Auswirkung lang anhaltender negativer Gefühle entsteht und sich in Arbeit und Selbstbild des Menschen entwickelt.

Was kann zum Burnout führen?
Das Gefährliche am Burnout ist, dass es sich schleichend entwickelt und die Betroffenen vielleicht erst nach Jahren an den Punkt gelangen, wo nichts mehr geht. Der Wille zu arbeiten ist vielleicht noch da, Körper und Geist versagen jedoch den Dienst. Zur Frage, was zum Burnout führt, besteht bisher kein einheitliches Meinungsbild. Zum einen gibt es persönlichkeitszentrierte Ansätze wie z. B. von Edelwich & Brodsky, Freudenberger oder Burisch. Einige in dieser Kategorie genannten Persönlichkeitsfaktoren, die ein Burnout begünstigen sind:

  • Perfektionismus
  • Ehrgeiz
  • Helfersyndrom
  • Nicht „Nein“ sagen können
  • Mangelnde Stressbewältigungsstrategien

Zum anderen gibt es die organisationsorientierten Erklärungsansätze unter anderem von Cherniss, Maslach & Jackson oder Pines, Aronson & Kafrey mit möglichen Ursachen wie

  • Mangel an positivem Feedback
  • Druck von Vorgesetzten
  • Problematische institutionelle Vorgaben und Strukturen
  • Mangelnde Ressourcen (Personal, Finanzmittel)
  • Schlechte Teamarbeit

Wenn man sich die Situation mit einer systemischen Brille anschaut, dann sind die von den Betroffenen gezeigten Symptome Reaktionen und Bewältigungsstrategien, um auf die gegebene Situation zu reagieren und damit irgendwie zurecht zu kommen. Dahinter stecken spezielle Muster, die es zu erkennen gilt. Deswegen haben auch beide Erklärungsansätze ihre Berechtigung und leisten gute Dienste, um diesen Mustern auf die Spur zu kommen. Denn Burnout hat mit Sicherheit etwas mit den Arbeitsbedingungen und der Organisationskultur zu tun. Ebenso sicher wird es mit individuellen Bewältigungsstrategien und Persönlichkeitsmerkmalen zu tun haben. Selbst die gesellschaftliche Entwicklung und Veränderung werden sich bei einer genauen Analyse als mögliche Ursachen zeigen.

Woran könnte man ein Burnout erkennen?

  • Lustlosigkeit, Gereiztheit
  • Gefühle des Versagens, der Sinnlosigkeit
  • Angst, nicht mehr den Anforderungen gewachsen zu sein
  • Mangelndes Interesse am Beruf oder Aufgabenbereich
  • Permanente Müdigkeit und Erschöpfung
  • Schlafstörungen
  • Konzentrationsstörungen
  • Verzweiflung/Hoffnungslosigkeit
  • Verminderte Effizienz
  • Depressionen
  • Großer Widerstand, täglich zur Arbeit zu gehen
  • Chronische Motivationslosigkeit
  • Rückzug ins eigene „Schneckenhaus“
  • Reduzierung der Arbeit auf das Allernotwendigste
  • Stimmungsschwankungen
  • Negative, zynische Einstellung gegenüber Kollegen und Kunden
  • Körperliche Beschwerden (Verspannungen, Kopf- und Rückenschmerzen, Magen- und Darmbeschwerden, Anfälligkeit für Erkältungen)

Die aufgeführten Punkte wurden häufig genannt, sind aber dennoch nur Anhaltspunkte. Es gibt sicherlich noch viel mehr individuelle Zeichen und Erscheinungsformen.

 

Die 12 Stufen zum Burnout (aus „Psychologie heute; September 2011; Seite 102; in Anlehnung an Freudenberger/North)

  1. Der Zwang sich zu beweisen
  2. Verstärkter Einsatz
  3. Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse
  4. Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen
  5. Umdeutung von Werten
  6. Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme
  7. Rückzug
  8. Beobachtbare Verhaltensänderung
  9. Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit
  10. Innere Leere
  11. Depressionen
  12. Völlige Burnout–Erschöpfung

 

Warn- und Alarmsignale

In der Anfangsphase der Entstehung eines Burnout–Syndroms gibt es charakteristische Merkmale. Zu diesen Anfangssymptomen gehören beispielsweise:
Extremes Engagement für ein bestimmte(s) Ziel(e), chronische Müdigkeit und körperliche sowie geistige Erschöpfung, praktisch pausenlos arbeiten und sich keine Erholungs- und Entspannungsphasen gönnen, sich unentbehrlich fühlen, vermehrtes Ignorieren der eigenen Bedürfnisse, körperliche Mangelerscheinungen aufgrund ungesunder/unzureichender Ernährung, Verdrängen von Misserfolgen und Enttäuschungen sowie keine Konsequenzen daraus ziehen, das Gefühl, eigentlich nie mehr richtig Zeit zu haben, Beschränkung von sozialen Kontakten auf den Arbeitsbereich, Ablenkung durch Alkohol, Spiel, Internet etc., Konzentrationsschwächen, Schlafstörungen, Angstzustände, Drehschwindel und Neigung zu (Pseudo-)Tinitus.

 

Wie kann ich einem Burnout vorbeugen?

Um das ganz deutlich zu sagen, wenn der Verdacht vorhanden ist, ein Burnout zu haben, ist der Gang zum Arzt der richtige Weg. Wenn man glaubt, gefährdet sein zu können, dann ist der erste Schritt eine gründliche Situationsanalyse.
Zum Beispiel mit folgenden Fragen:

  • Welche Umweltbedingungen sind belastend?
  • Welche eigenen Bedürfnisse und Ziele wurden vernachlässigt?
  • Welche meiner Fähigkeiten blieben unterentwickelt?
  • Welche meiner Vorstellungen sind unrealistisch bezogen auf den Beruf, die Familie, Freunde, Freizeit etc.
  • Welche meiner Glaubenssätze und Denkmuster sind dysfunktional?
  • Wie gewinne ich wieder ein Stück Freiheit/Autonomie zurück?
  • Was kann ich tun, um resilienter zu werden?
  • Wo lässt sich mit dem besten Aufwand/Nutzenverhältnis etwas ändern?

Nach der gründlichen Analyse sind die nächsten Schritte:

  • Exakte Formulierung des Soll-Zustandes
  • Erarbeitung von messbaren Erfolgskriterien
  • Planung der Umsetzung der Veränderung
  • Vorweggenommenes Durchspielen der Veränderung und gegebenenfalls eine Optimierungsschleife in der Planung einfügen
  • Schrittweises Umsetzen der Vorhaben
  • Regelmäßige Reflexion des Prozesses und gegebenenfalls Anpassung der Vorgehensweise

Das ist vielleicht nicht immer leicht, aber machbar.