Diese Website verwendet Cookies, um bestmögliche Funktionalität zu bieten. Indem Sie weiter auf dieser Website navigieren, ohne durch die Cookie-Einstellungen Ihres Internet-Browsers die Cookies zu blockieren, stimmen Sie unserer Verwendung von Cookies zu.
Zustimmen

Outdoor-Trainings

Ein Verstecken hinter Worten ist im praktischen Handeln nicht möglich. Schnell zeigt sich, was Sache ist, wodurch neue Aspekte u. Anstöße für die Entwicklung vom Team sichtbar werden. Die Outdooraktivität wird als Situation genutzt, um wirkungsvolle Zusammen-arbeit zu erleben und daraus Entwicklungsfelder für die Zukunft zu erarbeiten.
von Theresa Müller-Eichler

Warum erlebnispädagogische Elemente ein Seminar bereichern


Der mutigste Mensch ist derjenige, der alle Risiken abwägt, und, wenn sie größer werden als die Sache wert ist, den Mut hat zurückzugehen und sich dem anderen Risiko stellt,
ein Feigling genannt zu werden.
Kurt Hahn (Vater der Erlebnispädagogik)

 
In unseren Aus- und Weiterbildungen werden wir zwar fachlich meist umfassend geschult, die sozialen Kompetenzen sind in den Curricula jedoch kaum enthalten. Letztlich sind es aber genau diese „soft skills“, die darüber entscheiden, ob wir in der Zusammenarbeit mit anderen erfolgreich sind oder nicht. So sind wir zum Beispiel kommunikativ geschult und im Ausdruck „geschliffen“, allerdings hat dies auch dazu geführt, dass sich Mitarbeiter und Führungskräfte noch besser hinter Worten verstecken können. Die Erfahrung und wissenschaftliche Studien von Dr. H. Kern und Dr. D. Schmidt, König und König et al. zeigen, dass dies in der Natur und in gemeinsamen Erfahrungen draußen weit schwieriger möglich ist, weil dort „Taten“ sprechen. Zudem zeigen Erkenntnisse der Lern- und Entwicklungspsychologie, dass Handeln und Ausprobieren mehr bringt als tausend erklärende Worte und dass das Gelernte viel besser verstanden wird und „hängenbleibt“, wenn es mit allen Sinnen erfahren und selbst erlebt wurde.

Wenn ich beispielsweise an die „Wippe“, eine Übung aus dem Teamparcours denke, dann kann ich mich sehr gut an eine Teamentwicklung vor einiger Zeit erinnern, bei der die Teilnehmer auf dieser großen Wippe standen und den Auftrag hatten, diese gemeinsam eine Minute im Gleichgewicht zu halten. Die Teammitglieder stürmten auf die Wippe, probierten alles Mögliche aus, diskutierten heftig und wild durcheinander, beschuldigten sich gegenseitig nicht das „Richtige“ zu tun, schafften es aber 30 Minuten lang nicht, das Ziel zu erreichen. Zuerst wollte einer allein das Gleichgewicht für alle schaffen, dann mehrere auf den verschiedenen Seiten, dann alle ohne körperlichen Kontakt zueinander... Die Reflexion des Geschehenen zeigte, dass das Durcheinander der Ideenfindung, das einfach beginnen ohne sich vorher abzustimmen, das mangelnde einander zuhören, das Nicht-Klären von Verantwortlichkeiten, der wenige Kontakt zueinander und die Suche nach Schuldigen statt Lösungen, wenn etwas nicht klappt, ein typisches Verhalten in diesem Team waren. Auch die üblichen Rollen der einzelnen Teilnehmer im Team (Aktive, Passive, Laute, Leise), konnten von den anderen Teammitgliedern aber auch von uns Beobachtern sofort auf der Wippe (wieder-) erkannt werden.

In der Reflexion der Übung (zuerst vor Ort und anschließend mit Videoanalyse im Seminarraum) wurden die eindeutigen Prallelen zum Teamalltag aufgedeckt, die Zusammenarbeit im Alltag generell analysiert und es wurden alternative neue Lösungswege und Verhaltensweisen für den Einzelnen und das gesamte Team besprochen. Neben möglichen neuen Umgangs- und Kommunikationsregeln wurden auch Ideen für mehr Kontakt untereinander, mehr Verzahnung der Kompetenzen und mehr Miteinander statt Nebeneinander diskutiert. Auch die Selbstverantwortung und Einflussnahme des Einzelnen am gemeinsamen Erfolg wurde eingehend thematisiert und vereinbart.

Am Ende der zwei Tage Teamentwicklung sind wir noch einmal auf die Wippe gegangen, haben die Dinge umgesetzt, die sich die Gruppe auch für den Alltag vorgenommen hat. Jede/r übernahm Verantwortung und wusste was er/sie zu tun hatte, es gab viel Kontakt untereinander, man konzentrierte sich auf „das Wesentliche“ und „kleine Schritte oder Bewegungen“, hatte Spaß, alle waren dabei und die Kommunikation war von Wertschätzung und gegenseitiger Achtsamkeit geprägt. Und – wie von Geisterhand – war die Wippe innerhalb von einer Minute im Gleichgewicht und blieb es ab da, bis die Teilnehmer die Übung freudestrahlend beendeten.

Wo es darum geht, unterschiedliches individuelles Wissen und Können für ein Team, ein Projekt, zwischen mehreren Gruppierungen, etc. für die Zielerreichung und den Erfolg in einem Unternehmen zu nutzen, ist Teamentwicklung nötig. Theoretisches Wissen reicht dabei nicht aus, denn eigene Erlebnisse und Impulse sind gefragt, damit Teamarbeit und Teamerfolg praktisch erfahrbar, Motivation und Teambegeisterung hervorgerufen und entfacht werden. Teamentwicklungen mit Outdoor-Elementen können hier wichtige Impulse leisten und bieten vielfältige Möglichkeiten. Ob es sich um „Kick-Off“-Veranstaltungen zum gegenseitigen Kennenlernen und dem Start eines neuen Teams oder einer Organisation handelt, oder um ein Training zur gezielten Unterstützung einzelner Entwicklungsschritte, bei Outdoor-Veranstaltungen geschieht dies nicht nur mit dem Kopf, sondern mit allen Sinnen und wird damit spürbar und nachhaltig. Auch festgefahrene Teamstrukturen und Konflikte können von allen Seiten beleuchtet und bearbeitet werden, so dass am Ende die Beteiligung und Verantwortung jedes einzelnen für den Erfolg klar wird und für alle tragbare Lösungen entstehen. Ein Verstecken hinter Worten, Kommunikationstechniken und Regeln ist im praktischen Handeln nicht möglich. Es zeigt sich schnell, was Sache ist, so dass neue Aspekte und Anstöße für die Entwicklung vom Team sichtbar und bearbeitbar werden. Die gemeinsame Outdoor-Aktivität wird als Situation genutzt, um wirkungsvolle Zusammenarbeit zu erleben, zu analysieren und daraus Entwicklungsfelder für die Zukunft zu erarbeiten. Die eigenen Stärken und Schwächen und deren Einfluss auf den Gruppenprozess und den Erfolg des Teams werden reflektiert und bieten Ansätze auch für persönliche Weiterentwicklung Einzelner. Die Reflexion – im Idealfall mit Videoanalyse – und der Transfer bezogen auf die Zusammenarbeit und Situation im Berufsalltag sind dabei unabdingbar. Damit dafür genügend Zeit ist, macht es Sinn, lieber weniger Aktivitäten zu machen und diese dafür intensiv zu analysieren, zu reflektieren und daran anschließend konkrete Vereinbarungen für den Transfer in den Alltag zu treffen.

Bei guten Outdoor-Trainings sind alle Übungen so konzipiert, dass jeder Teilnehmer für sich entscheidet und für sich die Verantwortung übernimmt, in welchem Umfang er sich in die einzelne Übung einbringt (Prinzip der Freiwilligkeit und Selbstverantwortung). Dadurch entsteht für das Team die Lernchance, sich mit unterschiedlichen Ideen und Möglichkeiten auseinander zu setzen und Lösungen zu entwickeln, durch die das Potenzial aller Teammitglieder genutzt wird.
Qualifizierte Trainings mit erlebnispädagogischen Outdoor-Elementen sind gut vorbereitet und verlangen den Teilnehmern und Trainern einiges ab ohne zu überfordern. Die einzelnen Übungen und Aktivitäten sind auf die Ziele des gesamten Trainings und die Entwicklungspotentiale der Gruppe abgestimmt. Manchmal sind sie auch unbequem und fordernd, machen aber auch Spaß und schaffen Motivation sich auf Neues und Unbekanntes einzulassen. Dabei – und das ist mir außerordentlich wichtig – geht es nicht um „Tschakka-Seminare“, „Eventaktivitäten“ und besondere „Kicks“, sondern um eine bewusste Auswahl an ein bis zwei Übungen, die die Aufarbeitung und den Transfer in den Alltag ermöglichen und sicherstellen dass die Ziele der Trainings-Maßnahme erreicht und unterstützt werden.Den momentanen Trend erlebe ich leider eher hin zu Spaß- und Aktionevents, statt zu gut geplanten erlebnispädagogischen Outdoor-Maßnahmen, die ein Instrument für langfristig angelegte Konzepte der Personalentwicklung sind.

Unternehmen irren, wenn sie glauben, mit einem Bungee-Sprung oder einem gemeinsamen Riesen-Floßbau können Probleme gelöst werden. „Das ist wie wenn man einen Eimer Wasser in ein großes Feuer gießt – nach einigen Minuten flammt der Brand wieder auf“. Man bringt keine Fußballmannschaft mit zwei Tagen Training zum Aufstieg. Schon Klinsmann hat das eindringlich bei der damaligen WM bewiesen. Outdoor-Aktivitäten müssen in ein ganzheitliches Konzept des Trainings und der längerfristigen Personalentwicklung eingebettet sein und der falsche Umgang damit beginnt meinst schon bei der Vorbereitung. Das setzt ein intensives Klärungsgespräch zwischen den Kunden, dem Trainer und den Outdoor-Trainern voraus, indem die Outdoor-Elemente optimal auf die Ziele und Themen der Veranstaltung oder die gewünschte Veränderung hin abgestimmt werden.

Die Kenntnis von Outdoor-Übungen und möglichen Auswertungsfragen, sowie das bewusste Anpreisen von „Aktion, Spaß und Erlebnis“ reicht bei weitem nicht, um all die Aspekte nutzbringend und adäquat einsetzen zu können. Neben fundiertem pädagogischen und sicherheitstechnischen Wissen braucht es auf der Seite der Outdoor-Trainer Erfahrung, Professionalität und die Bereitschaft sich auf die Ziele des Trainings und konkrete Situationen auch spontan kompetent einstellen zu können. Das heißt auch, dass die Outdoor-Elemente individuell für den einzelnen Kunden konzipiert werden um die entsprechenden Lernsitutionen oder Problemstellungen in der Natur abzubilden. Nur so kann ein Outdoor-Training erfolgreich und sehr nachhaltig dazu beitragen, dass sich auch im Alltag die Dinge positiv für den Kunden entwickeln und ein Seminar durch Outdoor bereichert wird. Das ist das Ziel und nur so macht es Sinn!

Ich freu mich schon jetzt darauf, mit Ihnen etwas „Spezielles“ für Ihre Organisation zu entwickeln, in die Natur zu gehen um gemeinsam Ihre Ziele so zu erreichen, dass sie auch im Alltag optimal umgesetzt werden können.